Tatsächlich sind wir alle nur Emanationen, Materialisationen, Auswüchse von Gott — oder, wie einer meiner Gurus (Lehrer) es genannt hat: Finger an der Hand Gottes. In Wirklichkeit, so die Anschauung dieses Weltbildes, sind wir alle eins, und wir kommen uns nur getrennt “von den anderen” vor, weil wir mit der grundsätzlichen Dualität zu leben haben, die ein fleischlicher Körper so mit sich bringt.
Wenn wir bei diesem nichtdualistischen Weltbild bleiben, dann sind Götter auch nur Manifestationen und Inkarnationen des unbeschreiblichen Ganzen, Gottes, des Göttlichen (“Brahman” nennt man das im Hinduistischen; “Dao” in der daoistischen Lehre).
Doch die Frage bleibt: Sind diese Götter real?
Die Antwort, aus unserer Sicht des Westlichen Zen: Ja, sie sind real. Sie können wahrgenommen werden und sie werden wahrgenommen. Das muß nicht heißen, daß sie mit Instrumenten meßbar sind. Tatsache ist: Wer sich darauf einläßt, spürt sie ganz deutlich. Ob wir das als Einbildung oder Wírklichkeit interpretieren, bleibt uns selbst überlassen. Doch es ist nicht von der Hand zu weisen, daß “da etwas ist”, das sich durchaus bemerkbar macht und Einfluß nimmt.
Und noch einen Schritt weiter:
Das funktioniert auch mit selbst erfundenen Göttern. Und das wiederum ist für uns Beweis genug.
Wie stark dieser Einfluß auch fiktionaler Götter sein kann, läßt sich am besten an der Geschichte von Greg Hill darstellen. Hill war einer der Verfasser der “Principia Discordia”, eines heiligen Buchs, das in den späten 1950ern als Satire von Religion geschrieben wurde. Die Religion nannte er “Diskordianismus”, und als Hauptgottheit gab er “Discordia”, Göttin des Chaos, an. Mit Sicherheit machte sich Hill, ein eingefleischter Atheist, nicht ans Schreiben seiner Satire, weil er die Vorstellung von Göttern oder Gott in irgendeiner Weise ernst nahm.
In den späten 1970ern jedoch war Hill davon überzeugt, daß seine Beschäftigung mit dem selbsterfundenen Diskordianismus etwas aufgeweckt hatte, das er sich nicht erklären konnte. Seiner Freundin Margot Adler erzählte er:
Wenn du das gut genug machst, dann fängt es an, zu funktionieren. Ich begann mit der Vorstellung, daß alle Götter Illusion seien. Am Ende hatte ich gelernt, daß die Entscheidung, ob es Götter gibt, bei einem selbst liegt. Und ich hatte gelernt, daß man, wenn man die Göttin des Chaos ernst genug nimmt, auf eine metapyhsische Reise geht, die ebenso tiefgreifend und wertvoll ist, wie wenn man den christlichen Gott ernst nimmt.
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